
«Wer die Gerüche beherrschte, der beherrschte die Herzen der Menschen«, heißt es in Patrick Süskinds berühmten Buch «Das Parfum».
Nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich spielen Gerüche eine grosse Rolle. Auch Insekten orientieren sich beim Fressen und bei der Liebe an Düften. Düfte können verführerisch sein, aber auch verwirrend. Genau diesen Umstand machen sich umweltbewusste Winzer sich zunutze, um ihre Reben vor einem Insekt zu schützen, das enormen Schaden anrichten kann. Um diese Schutzmassnahme funktioniert absolut biologisch, ohne jeglichen Einsatz von chemischen Insektiziden. Es handelt sich um zwei recht unscheinbare Schmetterlinge, die den Winzern über die gesamte Vegatationperiode vom Rebenaustrieb bis zur Lese grosse Sorgen bereiten können. Der «Einbindige» und der «Bekreuzte Traubenwickler». Der Traubenwickler legt nach dem Hochzeitsflug seine Eier an den Rebstöcken ab, aus denen die Raupen schlüpfen- der Winzer nennt sie «Würmer». Die Raupe bohrt sich ins Innere der Traube und ernährt sich von ihrem Fruchtfleisch. Schliesslich verpuppt sie sich und wird zum erwachsenen Schmetterling. Diesen Zyklus durchläuft jede Art zwei bis dreimal pro Jahr. Nicht die Raupe selbst ist das Problem, sondern die Wunde, die sie der Traube zusetzt- das ist die Eintrittskarte für Krankheitserreger. » Die Traube fault dann weg – und um sie herum faulen auch andere Trauben». Der Schaden kann wirtschafltich bedeutende Ausmasse annehmen.
Verwirren statt töten. Die braunen Plastikampullen verströmen Sexuallockstoffe der Traubenwickler. Diese Ampullen die alle paar Meter im Weinberg aufgehängt werden, geben synthetisch hergestellte Pheromone ab: Sexuallockstoffe der beiden Traubenwicklerarten. Alle Ampullen zusammen erzeugen eine Wolke von Duftstoffen, die über dem Weinberg schwebt. Wenn die Männchen auf Paarungssuche gehen, orientieren sie sich anhand der Pheromone, die die Weibchen aussetzen, in welche Richtugn sie fliegen müssen. Jetzt aber riecht es plötzlich überall nach Weibchen. Die Männchen werden im wahrsten Sinne des Wortes verwirrt. Die Folge: Männchen und Weibchen können sich nicht finden, sich nicht paaren und es entstehen erst gar keine Eier.
